[DSP#08] Verdammt, nichts ist selbstverständlich

Was ich gerade beim Schreiben des Schwarm-Settings bemerke, ist, dass um einiges weniger Inhalte selbstverständlich sind als in Fantasy. Dort reicht es festzuhalten, dass Schwarzpulver und Dreiecksegel noch nicht erfunden sind, und jeder weiß, von welchem Tech-Level auszugehen ist. In Science-Fiction gibt es diesen “gemeinsamen Nenner” nicht; nichts, aber absolut gar nichts, ist selbstverständlich, da es keine definierte geschichtliche Periode gibt, auf die man sich implizit oder explizit beziehen kann.

Das macht das Beschreiben eines SciFi-Settings einigermaßen schwierig, da es a) mehr Raum fordert und b) mehr Geduld vom Leser verlangt. Wenn man, so wie ich, den Anspruch hat, sich möglichst kurz zu fassen und den Leser nicht mit unnötigem Ballast zu beschweren, dann ist Science Fiction tatsächlich eine Herausforderung der eigenen Art, denn plötzlich wollen ganz “langweilige” Fakten geklärt werden:

  • Wie funktionieren Raumschiffe?
  • Wie werden Daten übertragen?
  • Wie verhält es sich mit Gravitation und Atmosphäre?
  • Woraus wird Energie gewonnen?
  • Was für Geräte/Computer verwenden Charaktere denn so?
  • Was sind denn kritische Komponenten in Schiffen und Anlagen?
  • etc.

Mein Problem gerade ist, ich möchte bzw. muss diese Fragen klären, möchte aber den Leser nicht langweilen, immerhin sind das zwar definierende Punkte, aber nicht die Hauptplots. Unter Umständen verlangt dieses Phänomen eine andere Form als den Fließtext, der z.B. bei Lys Marrah gut funktioniert hat. Aber welche? Mehr graue Kästen? Informationen in Fußnoten? Alltags-Technologien im Anschluss der Waren- und Preisliste? Ganz anders?

Wenn ihr bewusst gute/schlechte Erfahrungen mit Beschreibungen derartiger “Basics” gemacht habt, würde mich das sehr interessieren und mich vielleicht auf den richtigen Weg führen – falls es ihn überhaupt gibt.

[DSP#07] Möge das MagField mit dir sein

Ressourcenabbau, Handel, politische Intrigen – all das verheißt ziemliche Hard-SciFi, aber Destiny Space käme nicht aus meiner Schmiede, wenn es nicht auch ein übernatürliches Element gäbe. Dieses Element heißt bei uns MagField (der erste Begriff, der uns einfiel, war MagForce, aber “Force” ist irgendwie besetzt und “MagForce” existiert sogar schon in einem Margaret Weis-Rollenspiel, afair). Wie auch immer. Unser MagField ist jedenfalls kein simpler Ersatz für Midichloridaner & Co. *würg*, sondern hat folgende Funktionen:

  1. Es sorgt durch seinen antitechnologischen Effekt für das gewisse Etwas des Settings: Im Schwarm funktionieren nämlich Hochtechnologien nicht. Punkt. Es gibt keine ultratollen Netzwerke, keinen Langstreckenfunk, keine Virtual-Reality-Systeme, keine KI-Kollektive, keinen Autopilot, keine Superscanner usw. Mit anderen Worten: In diesem Setting besteht noch Bedarf für Piloten, die selbst Hand anlegen, und man trifft sich auch noch persönlich im Handelshub, um Informationen auszutauschen, anstatt sich auf soziale Netzwerke zu verlassen. Wichtige Informationen werden auch noch per Datenkristall von A nach B gebracht anstatt sie über den Äther zu streamen. Das ist vermutlich der allerwichtigste Aspekt unseres Settings.
  2. Das MagField hat Erklärungsfunktion für vieles, das rein physikalisch nicht oder nur schwer zu erklären wäre. Zum Beispiel, dass es im Schwarm kein Problem mit kosmischer Strahlung gibt oder dass es Artefakte gibt, die künstliche Atmosphäre und Gravitation schaffen. Ich glaube, es ist ungeheuer wichtig, in einem Rollenspiel dafür zu sorgen, dass das, was sich Spielleiter XY an Gegebenheiten ausdenkt, auch für alle plausibel ist. In Fantasy ist das einfacher, weil die Zusammenhänge simpler sind und im Zweifelsfall durch Magie erklärt werden (auch wenn das nicht elegant ist und lieber ultima ratio bleiben sollte). In SciFi ist das Bedürfnis nach Erklärbarkeit tendenziell höher, gleichzeitig gerät aber unser Wissen schneller an seine Grenzen. Während ich mir in Fantasy schnell mal anlesen kann, wie eine Burg aufgebaut ist, fällt mir das mit allgemeiner und spezieller Relativitätstheorie schon nicht mehr ganz so leicht. Wie angenehm, dass ich im Schwarm also vieles auf das MagField zurückführen kann.
  3. Das MagField dient außerdem als spirituelle Sphäre – zumindest für die ausgestorbenen Natokh, deren Seelen ins MagField eingingen, deren Intelligenz seitdem quasi im Schwarm immanent sind und für allerlei rätselhafte, förderliche oder hinderliche Ereignisse sorgen können. Damit ist auch das Thema Göttlichkeit in das Setting integriert, ohne mit den eher für Fantasy üblichen Klischees arbeiten zu müssen.
  4. Last but not least oder vielleicht doch least, dient das MagField tatsächlich auch als metaphysisches Trägermedium, d.h. als magische Energie, okkulter Limbus, “Macht” oder wie immer man es nennen mag, jedenfalls als Humpfdiwumpf, welches übernatürliche Phänomene wie Telekinese etc. ermöglicht. Wobei es uns ein Anliegen war, diesen Aspekt des MagField nicht zu überbewerten, weil Destiny Space eben nicht “Fantasy im Weltraum” sein soll.

Man hört zu verschiedenen Settings immer wieder Kritik, wie sie mit Magie umgehen bzw. dass sie eben nicht damit umgehen, sich nicht die Frage stellen, wie sie den Alltag der Leute, die Wissenschaft, die Technologien etc. prägt. Wir haben beim Designen des Schwarms jedenfalls versucht, das MagField so tief wie möglich in das Setting zu integrieren und ich bin gespannt, ob es uns gelungen ist, all das zu einer logischen, schlüssigen Einheit zu verbinden.

[DSP#06] Was bitteschön ist “der Schwarm”?

Nein, es hat nichts Perry Rhodan zu tun und auch nichts mit einem kollektiven Bewusstsein á la Borg. Der Schwarm ist ein Kometenschwarm, der mit Lichtgeschwindigkeit durch die Galaxien zieht und alle heiligen Zeiten ein System transitiert. Das Besondere daran: Der Schwarm ist kein Naturphänomen, sondern von einer alten Kultur zu einem bestimmten Zweck erschaffen worden. Natürlich ist es auch kein Zufall, dass er auf seinem bisherigen Kurs bereits 7 Völker in sich “aufnahm”, die nun mit einander um die spärlich vorhandenen Ressourcen ringen und dennoch auf einander angewiesen sind.

Im Schwarm gilt es daher vor allem, unter politisch höchst brisanten Bedingungen Ressourcen zu finden, aber auch Sektoren und Kometen zu erforschen, Piratennester zu umschiffen und die Geheimnisse und Artefakte zweier ausgestorbener Kulturen zu Tage zu fördern, die auch Aufschluss über die Frage geben könnten, was eigentlich Ziel des Schwarms ist.

Die Aufgabenstellung für DESTINY SPACE war einmal mehr, ein Setting zu entwickeln, das a) überschaubar, b) einfach zu beschreiben, c) möglichst vielseitig und d) abgegrenzt ist. Als mir mein Projektpartner Simon zum ersten Mal seine Konzeption des “Schwarms” beschrieb, war ich sofort Feuer und Flamme und wusste: das ist es.

“Der Schwarm” bietet viel freien Sternenraum, Asteroidenfelder, kolonisierte Kometen, Minen und Höhlensysteme, Industrie- und Handelsstationen u.v.m. Und sobald man den bekannten Rahmen ausgeschöpft hat, baut man einen Systemtransit ein. Dann verlangsamt der Schwarm für ein Zeitfenster, und man kann ein Abenteuer oder auch eine Kurzkampagne in einem selbst gestaltbaren Umfeld spielen, in dem es z.B. gilt, seltene Ressourcen zu sammeln, neue Völker in den Schwarm zu bringen, Planeten zu erforschen oder Bedrohungen abzuwehren.

Damit sollte “der Schwarm” sowohl für Einsteiger attraktiv sein (Stichwort: überschaubar, abgegrenzt) als auch erfahrenen Spielern einiges an Möglichkeiten und Freiheiten in die Hand geben, selbst eine interessante Kampagne zu gestalten. Sozusagen Lys Marrah im Weltraum.